Dienstag, 1. August 2017

Die eiskalte Schokoladendroge

Schokoladensorbet - Bitte nur unter Aufsicht essen!

Eiskalte Schokoladenbombe: Schokosorbet | pastasciutta.de


Manchmal kommt mir das Internet vor wie eine riesengroße Selbsthilfegruppe. So viele Schokosüchtige und "bekennende Schokoholics" tummeln sich hier. Alle schwelgen in der süßen Verführung, essen das Zeug pfundweise und möchten sich immer reinsetzen, darin baden oder sich damit einschmieren. - Ja, alle machen das so! Oder zumindest wahnsinnig viele.

Das Geständnis


Tja, und jetzt melde ich mich aus meiner verlängerten Frühjahrs- und Sommerpause zurück mit einem Geständnis. Es könnte mich meine Mitgliedschaft im Internet kosten, ich weiß. Wahrscheinlich muss ich zum Ausgleich noch mehr Katzenbilder auf Facebook posten, damit ich keinen Platzverweis kassiere. Aber einmal muss es einfach gesagt werden: Für mich ist Schokolade einfach nur ein Lebensmittel wie jedes andere auch. Also, vielleicht nicht wie wirklich jedes andere, denn Fritten sind durchaus schon noch ein bisschen wichtiger und Hefegebäck. Ja, Hefegebäck und ganz allgemein Brot ist auch viel wichtiger als Schokolade. Aber am Ende muss es heißen, ich bin echt kein Schokoholiker. Egal, ob Edelbitter oder Vollmilch, sie macht mich nicht süchtig, ich esse sie einfach nur. Problemlos komme ich monatelang ohne Schokolade über die Runden, und wenn sie morgen in Deutschland verboten würde, dann würde ich halt ab und zu mal nach Belgien fahren und dort ein Stückchen essen. Ganz schlimm wäre das für mich aber nicht.

Sagt nicht, ich hätte Euch nicht gewarnt


Andererseits ist Schokolade durchaus auch lecker. (Aber das ist Kaviar eigentlich auch, und den habe ich schon seit Jahren nicht mehr gegessen.) Besonders toll finde ich Schokolade zum Backen oder in Desserts. Und da tut es für mich auch wirklich nur die ganz dunkle Schokolade. Mousse au Chocolat ist nur richtig beeindruckend, wenn auch der Kakaoanteil stimmt. Wobei, ganz im Vertrauen, der französische Schokoladenschaum ist ne echte Luftnummer im Vergleich zu einem eiskalten Sorbet aus 85 prozentiger Schokolade!. Da werde selbst ich ein ganz kleines bisschen unbeherrscht und möglicherweise esse ich eine klitzekleine Winzigkeit zu viel davon. Deshalb, wenn es selbst mir schon so ergeht, dann sei hiermit ganz offiziell eine Warnung ausgesprochen. Wer generell eine Veranlagung zur Schokosucht hat, sollte lieber die Finger davon lassen. Oder wenigstens eine Person seines Vertrauens hinzuziehen. Das Zeug ist teuflisch und sollte nur unter Aufsicht gegessen werden. Sagt nicht, ich hätte Euch nicht gewarnt!

Schokosorbet | pastasciutta.de


Schokosorbet

nach David Lebovitz, 
gefunden bei Essen auf den Tisch

Zutaten:

400 ml Wasser

145 g Zucker

55 g Kakaopulver

1 Prise Salz

125 g Schokolade, 85%

1/2 TL Vanilleextrakt

Von dem Wasser 300 ml in einen nicht zu kleinen Topf geben und den Zucker darin auflösen. Das Kakaopulver und das Salz hineinrühren und die Flüssigkeit zum Kochen bringen. Auf niedriger Hitze zirka 1 Minute kochen lassen und dann vom Herd nehmen. Die Schokolade in Stücke brechen und in die heiße Flüssigkeit geben. Den Vanilleextrakt einrühren. Nach einer bis fünf Minuten sollte sich die Schokolade in der heißen Flüssigkeit aufgelöst haben. Kurz umrühren, das restliche Wasser hinzufügen und in eine Kanne oder einen hohen Becher umfüllen. Mit dem Mixstab etwa 15 Sekunden durchmixen. Auf Zimmertemperatur abkühlen lassen, mit Folie oder Deckel abdecken und in den Kühlschrank stellen. Die gekühlte Flüssigkeit in der Eismaschine zu Sorbet verarbeiten.


Montag, 5. Juni 2017

Wieso die Prinzessin nicht zu ihrem Brioche kommt

Das Wunder, das dem Adel vorenthalten bleibt

Prinzessinnen-Brioche | pastasciutta.de

Ist es nicht merkwürdig, welche Bilder das Wort Prinzessin im Kopf hervorruft? Die meisten von uns denken doch gleich an junge Frauen in engen Korsagen und wehenden Röcken, mit einem Krönchen auf der wallenden Mähne. An die Märchenprinzessin aus Bilderbüchern, wie es sie vor 30, 40, oder 50 Jahren gab und wie sie sich dann in amerikanischen Zeichentrickfilmen fortsetzte. Die Filme werden jetzt schon lange vom Computer animiert. Aber der Prototyp für die Märchenprinzessin hat sich nicht wesentlich verändert. Sie sitzt immer noch auf ihrem Schloss rum und wartet auf den Märchenprinzen, der sie zur Königin macht. Ab und zu darf sie mal über eine Mauer klettern oder sich als Mann verkleiden, dann gilt sie schon als aufsässig und progressiv.

Prinzessinnen-Brioche, frisch aus der Form gelöst | pastasciutta.de


Ganz so einfach geht das heute nicht mehr. Erstens leben wir nicht im Märchen und zweitens sind die Stellenausschreibungen für Prinzessinnen verdammt knapp geworden. Irgendwann hat die Menschheit festgestellt, dass so viele von der Sorte gar nicht gebraucht werden. In weiten Teilen der Welt wurden auf diesem Sektor ganz flache Hierarchien eingeführt. Und wer weiß, vielleicht ist das auch einer der Jobs, die demnächst von einem Roboter übernommen werden.

Prinzessinnen-Brioche, gelb und butterig | pastasciutta.de


Dennoch scheint es, als hätten einige von ihnen die märchenhafte Zeit überlebt und setzten ihre Existenz in Sondersendungen und Klatschblättern fort. Roben wie im 18. Jahrhundert tragen moderne Prinzessinnen nur noch anlässlich ihrer Hochzeit. Für weibliche Nachwuchskräfte in einigen Ländern der Welt ist mit der großen Familienfeier gleich der Wechsel in den Adelsstand verbunden. Insofern kann die Prinzessinnenuniform an jenem Tag kaum passender gewählt sein. Dass die bürgerliche Frau in völlig adelsfreien Zonen die Sitte beständig nachahmt, nutzt ihr übrigens gar nichts, aber ich schweife ab.

Prinzessinnen-Brioche, leicht und luftig | pastasciutta.de


Im Tagesgeschäft der Gegenwart pflegt sich der Hochadel im Stil der modernen Klassik zu kleiden. Kurzlebiges Zeug entspräche kaum der Botschaft, die übermittelt werden soll. Doch maßgefertigte Designerklamotten gelten immerhin als eine Art Wirtschaftsförderung. Die Nationalität des jeweiligen Couturier ist von Grund auf ein Politikum.

Ganz günstig ist es daher, dass zu den Mindestanforderungen für den Job auch eine entsprechende Kleidergröße gehört. - Kleine, dicke Prinzessinnen sieht man selten.

Schon lange kreisen meine Gedanken darum, was diese ganzen Catherines, Letitizias und Maximas zu speisen pflegen, um ihre gertenschlanke Figur zu behalten. Wahrscheinlich lümmeln sie sich abends mit einer Platte gegrillter Scampi auf dem Sofa rum wie unsereins mit einer Tüte Chips.

Also nee, ich möchte wirklich nicht Prinzessin sein, pflegen ja heute sehr viele Leute zu sagen. Dass man das gemeine Volk nicht mehr nach Lust und Laune rumschikanieren kann, hat die Tätigkeit irgendwie uninteressant werden lassen. Kein öffentliches Rädern und Vierteilen mehr, nur noch Pflichten. Und dann immer die Sache mit der Figur. Ich glaube, wenn die Damen ein paar Gramm zunehmen, dann tritt gleich der Familienrat zusammen, weil jedes Gramm zuviel die Monarchie in Gefahr bringen könnte. Und dann heißt es wieder, wochenlang nix als gegrillter Fisch, Hummer und Scampi, natürlich ohne Fritten und Mayo. Das will ja eigentlich auch keiner.

Wie kommt die Prinzessin denn jetzt zu ihrem Brioche? - Ich fürchte, das wird leider nix. Das gute Gebäck ist nämlich nur für normale Leute. Jede Prinzessin würde sich damit gleich aus ihrem engen Kleidchen sprengen. Andererseits könnten revolutionäre Kräfte ihr dieses hochbrisante Material auch kinderleicht unterjubeln. Niemand würde auf Anhieb bemerken, dass 12 Eigelb und 250 Gramm Butter darin verarbeitet sind. Das Brioche scheint leicht wie eine Feder, ganz luftig und unschuldig. Erst wenn man völlig die Beherrschung verloren und alles verputzt hat, macht sich ein gewisses Sättigungsgefühl bemerkbar.

Zu mir kam dieses Rezept mit dem Schwarzmarkt VII. Unser aller Lieblingsbäcker Manfred Schellin war mit Sauerteig, Mehl und Gedöns angerückt. Den ganzen Tag zog er ein Wunderwerk nach dem nächsten aus den Öfen des Marieneck. Obwohl jedes einzelne Brot ein wahrer Traum war, stachen doch diese unglaublich gelben Brioches aus allem anderen hervor. Etwas derart Luftiges und Zartes, das den Geschmack von Butterbergen und purem Eigelb in sich vereint, hat man selten außerhalb Frankreichs gesehen. Tja, und das wahre Wunder besteht nun darin, dass man dies auch selber zu Hause herstellen kann. Schelli verrät tatsächlich wie es geht (ORIGINALREZEPT).

Das Rezept von Schelli habe ich für meine Zwecke umgeschrieben. Da ich nur eine kleine Mini-Küchenmaschine habe, gibt es eine halbe Portion, basierend auf 500 g Mehl. Das Maschinchen gerät beim Kneten des fetten Hefeteiges trotzdem an den Rand seiner Möglichkeiten. Außerdem bedampfe ich meinen Ofen nach Hausfrauenart und nicht mit der Raffinesse des Profis.

Die Verwendung des französischen Baguettemehls ist aus meiner Sicht unerlässlich. Wie Versuche gezeigt haben, lassen sich mit handelsüblichem Mehl nach diesem Rezept lediglich schöne, gelbe Ziegelsteine mit Buttergeschmack herstellen. Sicherlich kann es auch nicht schaden, bei den übrigen Zutaten ebenfalls auf Qualität zu achten. Dass ich gerade ein bisschen zu viel von der leckeren Aubel-Butter aus Belgien mitgebracht hatte, traf sich ganz gut.

Prinzessinnen-Brioche, vor dem Backen | pastasciutta.de


Prinzessinnen-Brioche 

Poolish/ Vorteig:


100 ml Wasser, 18°C
0,5 g Hefe
100 g T65 Label Rouge


Die Hefe in dem Wasser auflösen. Das Mehl einstreuen und alles homogen vermischen. Bei Zimmertemperatur 12-20 Stunden reifen lassen.


Hauptteig
200 g Poolish
220 g Eigelb (etwa 11 Stück, Größe L)
15 g Hefe
400 g T65 Label Rouge
50 g Zucker
8 g Salz
1 EL Sahne
250 g weiche Butter

Eistreiche
1 Eigelb
etwas Milch
Herstellung des Hauptteiges:
Die Hefe in den Vorteig bröseln und ganz darin auflösen. Den Vorteig in die Küchenmaschine geben und die Eigelbe einarbeiten. Es soll ein ganz glatter, homogener Teig entstehen. Mehl, Zucker und Salz mit einander vermischen und nach und nach in die Küchenmaschine geben. Alles wieder zu einem glatten und homogenen Teig verarbeiten. Mit einem Löffel Sahne nachhelfen. Zum Schluss die weiche Butter einarbeiten und so lange kneten, bis der Teig die Butter ganz aufgenommen hat. 
Den Teig bei Zimmertemperatur 90 Minuten gehen lassen.
Danach in die gewünschten Formen bringen und nochmals kräftig aufgehen lassen. Zwischendurch zwei Mal mit einer Mischung aus Ei und Milch bestreichen.
Den Backofen mit Umluft auf 170°C vorheizen und eine flache Schale mit Wasser hineinstellen. Das Gebäck auf 94°C Kerntemperatur bringen. 

Montag, 17. April 2017

Frohe Ostern!

Allen Lesern wünsche ich ein schönes Fest


Freitag, 14. April 2017

Essen ist nur Essen

Am Karfreitag wird es hier religiös


Ernährung ist heute Religion, das hat sich herumgesprochen. Eifrig wird darüber diskutiert und geschrieben. Vor allem ein gewisser Fanatismus, der mit manchen Ernährungsformen einhergeht, macht sich wohl verdächtig. Wer sich selbst als Veganer darstellt, muss damit rechnen, aus dem Diskutieren nicht mehr rauszukommen. Und selbst wer keinen einzigen Veganer persönlich kennt (bisher habe ich noch nie einen Veganer getroffen), hat schon über dieses Thema gesprochen und kennt die unterschiedlichen Standpunkte. Veganer sind sich ihrer Sache oft sehr sicher. Sie verzichten auf Lebensqualität, um die Welt zu verbessern und viele von ihnen haben einen gewissen Missionsdrang. Dieses Verhalten wird von einigen Menschen als "fanatisch" oder "religiös" empfunden. Also stehen sie in der ersten Reihe, wenn es darum geht, einen Stempel als Anhänger einer "Ersatzreligion" verpasst zu bekommen.

Veganer als Paradebeispiel



Dass sich gerade an den Veganern so die Gemüter erhitzen, hat auch mit deren moralischen Ansprüchen zu tun. Immerhin haben viele von ihnen das ökologische Gleichgewicht der Erde im Sinn, wenn sie ein Tofuschnitzel zum Mund führen. Genau das ist für manch einen Fleischesser nicht zu ertragen, denn er fühlt sich unter Druck gesetzt. "Der Veganer soll mal bloß nicht glauben, dass er ein besserer Mensch ist, nur weil er zugunsten des Planeten auf alles verzichtet, was Spaß macht!" An dieser Stelle kann man erkennen, wie weit die Diskussion inzwischen fortgeschritten ist, denn die Auseinandersetzung mit der Moral der Veganer geht nun einen Schritt weiter.

Einerseits rudern viele Veganer zurück und verweisen darauf, dass sie rein aus persönlichen Gründen, wie etwa Gesundheit, auf tierische Produkte verzichten. Auf diese Weise setzen sie die Allesfresser nicht so sehr unter Druck. Manch einer fühlt sich unter dieser Prämisse sogar eingeladen, den veganen Lebensstil selbst eine Weile auszuprobieren und man darf wohl auch den Erfolg gewisser Buchautoren genau dieser Haltung zuschreiben.

Andererseits werden viele Nichtveganer ein bisschen patzig, indem sie darauf hinweisen, dass sie den moralischen Rittberger ganz easy beherrschen, ohne dabei blass und unlustig zu werden. "Pah! Vegan esse ich ganz oft aus purer Lust und einfach so nebenbei! Ich bin so natural-born vegan, dass ich oft nicht einmal merke, wie vegan ich überhaupt esse!"

Der Teufel hat den Zucker gemacht


Doch ohne das absolut Böse macht eine schöne Religion keinen Sinn. Man muss dafür noch nicht mal Veganer werden. Wer Freudlosigkeit gerne mit Satansaustreibung verbinden möchte, findet leicht eine geeignetere Konfession. Meiner Meinung nach sind die Low-carb-Jünger da ganz nah dran. Die Kohlenhydrat-Verweigerer wissen genau, wer für alle Schlechtigkeit der Welt verantwortlich ist. Der Zucker ist schuld! Er ist böse und verführt unsere Kinder! Böse Mächte stecken dahinter! Verschwörung und Industrie! Alle Krankheiten dieser Welt hängen am Zucker! Und wer ist schuld, dass uns die Jeans vom letzten Jahr nicht mehr passt? - Na, also!

Im Grunde wär das alles ganz amüsant, wenn man solche Phänomene einfach als Randerscheinungen betrachten könnte. Dann wären die Zuckerverweigerer und Tierverweigerer einfach putzige Exzentriker, die ihre persönlichen Freiheiten ausleben. Doch in Wahrheit handelt es sich um die Pop-Stars unter den Ernährungsreligionen, die alle Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Die breite Masse, die jeden Tag satt werden muss, legt sich ihren eigenen Katechismus zurecht.

Orthodoxie nicht nur für Spinner


Frei von Labels wie Vegan zu sein, bedeutet noch lange nicht, sich von jeder Ernährungsreligion freizumachen. Wenn es anders wäre, dann gingen die kochenden und essenden Menschen anders miteinander um. Nicht das einzig wahre Originalrezept gekocht? Sahne an der Carbonara? Das falsche Produkt, das fehlende Bio-Label oder gar nicht selbstgekocht, - die Liste der Tretminen ist endlos und darüber zu stolpern wird keinesfalls immer nur als Patzer angesehen. Mir hat mal einer die Facebookfreundschaft gekündigt, weil meine Pasta nicht frisch ausgewalzt war. Wer mit Treibhaustomaten aus Spanien erwischt wird, darf sich gerne die Schuld für den Weltuntergang zuschreiben lassen, und zwar ganz allein und höchst persönlich! 

Umgekehrt ist das kochende Internet voll von Menschen, die höchste Glückseligkeit versprechen, wenn man nur sein Kartoffelpüree selber stampft und Fertigprodukte meidet. Das Missionieren haben die Kirchen vielleicht erfunden, aber als Konzept hat es sich längst auch bei Hobbyköchen durchgesetzt.

Aber nicht nur das. Letztlich muss man keiner Fraktion oder Gruppe angehören, um Ernährung zur Religion zu machen. Im Essen sehen wir, was gut für uns ist. Wir unterscheiden ganz klar zwischen Gut und Böse und wir übertragen diese Eigenschaften auf uns selbst. Dazu kommt das Heilsversprechen für eine ferne Zukunft, von der niemand weiß, wann sie stattfindet. Mit der einzig wahren Ernährung werden wir später sehr gesund sein. Wenn wir uns jetzt kasteien, dann wird uns ewiges Leben beschert. An was erinnert mich das nur?

Während die Bio-, Regional- und Selberkocherfraktion immer leicht die Schweißperlen auf der Stirn hat, wenn es um das Anwerben neuer Mitglieder geht, macht sich die Industrie unsere Heilssuche in der Ernährung zu nutze. In Sachen Werbung macht den Profis sowieso keiner was vor, und das bereits seit Jahrzehnten. Wer will schon in der Bibel lesen, wenn er fernsehen kann? Werbung kann so unwahrscheinlich echt und glaubwürdig rüberkommen, dass man gar nicht merkt, wie sie ein Menschenleben lang das Gehirn versifft. Das eine wahre Produkt, von dem ich mich nie trennen werde, - gut dass ich immer wieder daran erinnert werde! Und es ist ja auch wahr, selbst meine Großeltern haben das schon gegessen. Da werden Kindheitserinnerungen wach, wenn man es nur oft genug wiederholt und die Kanäle ein bisschen anpasst.

Die direkte Verbindung zu Gott


Das mutet zunächst nicht religiös an und auf manch einen mag der ganze Konsumzirkus vollkommen ideologiefrei und wenig spirituell wirken. Doch auch das machen sich unterschiedliche Branchen zu Nutze. Ganz plump und vordergründig geht das mit Produkten, die Gesundheit und Schlankheit versprechen. Aber es geht auch eine Spur subtiler. Indem man es schafft, Conveniencefood mit der Eigenschaft "besser als Frisch" zu versehen. Die Technik ist ganz einfach zu erklären. Man muss nur Werbebotschaften stetig widerholen. Und es schadet nicht, wenn man Experten und Labors auf seiner Seite hat. Das ist ungefähr so, wie die direkte Verbindung zu Gott. 

Auf diese Weise konnte uns zum Beispiel die Lebensmittelindustrie eintrichtern, tiefgekühlter Spinat sei besser als frischer Spinat. Angeblich wird der Spinat nach der Ernte sofort eingefroren und bleibt dadurch viel frischer als der Spinat, der zunächst in den Supermarkt transportiert werden muss und dann dort auf Käufer wartet. Außerdem gibt es natürlich Hohepriester, die in ihren Labors festgestellt haben, dass TK-Spinat viel mehr Vitamine enthält, als Spinat aus dem Gemüseregal. Diese Weisheiten wurden uns so lange eingebläut, bis sie wirklich jeder gefressen hatte. Wer möchte so was schon nachprüfen?

Gründonnerstag gibt es Spinat


Und nun? In der Karwoche kann man ruhig mal etwas Einfaches essen und sich dafür etwas mehr Mühe geben. Mein handgepflückter Spinat kommt aus einer kleinen Gärtnerei hier im Ort. Da steckt 'ne Menge Arbeit und Sachverstand drin, aber keine Pestizide. Der Geschmack versetzt mich in einen Rausch und ich sehe grüne Farbe. Nicht in irgendeiner Halluzination und nicht auf einer Verpackung, sondern auf dem Teller. Wer hätte je gesehen, dass Tiefkühlspinat grün ist? Und wer könnte sagen, wie der überhaupt schmeckt? Die zarten Pflänzchen blanchiere ich zusammen mit ein paar Knoblauchzehen und schwenke beides danach in Olivenöl aus Nizza. Dazu gibt es handgemachte Tagliatelle, die ich aus Baguettemehl und sizilianischem Hartweizengrieß von bon'gu hergestellt habe. Ich brauche kein Heilsversprechen durch Vitamine, die ich nicht sehen kann, wenn ich dafür etwas Frisches auf dem Teller habe. Das Ganze ist so rein, dass es fast schon als Clean durchgehen kann, also frei von Sünde nach heutigem Zeitgeist. Doch mein Essen ist nur Essen. - Es soll gut schmecken und mich satt machen. Religiöse Erbauung suche ich mir woanders.


Tagliatelle mit frischem Spinat | pastasciutta.de

Montag, 3. April 2017

Schwarzmarktsouveniers

Quick-Lunch: Romanasalat mit Hähnchenbrust

Hähnchen auf Salat mit Ingwer-Mango-Dressing | pastasciutta.de


Im Gegensatz zu vielen anderen Selberkochern habe ich durchaus Verständnis für Leute, die Fertiggerichte verwenden. Generell bin ich nicht der Meinung, dass meine Lebensweise alle anderen Menschen auch glücklich machen würde. Wer gerne mal 'ne Fertigpizza reinschiebt, muss sich dafür bei niemandem entschuldigen und bei mir erst recht nicht.

Trotzdem erkenne ich gewisse Nachteile am Fertigfutter. Einer davon ist, dass die Produkte immer gleich schmecken müssen. Jahreszeitliche Schwankungen oder gute und schlechte Jahre gibt es nicht. Ganz anders ist dagegen die Selberkocherei, gerade jetzt, im Frühling. Der Direktverkauf auf den Höfen kommt langsam in Fahrt. Eine kleine Gärtnerei in unserem Ort hat winzig kleine, wohlschmeckende Salate, der erste Spargel kommt raus und der zwischendurch mal vergessene Rübstiel entwickelt sich gerade zur Modedroge. Jede Woche entdecke ich etwas Neues und trage es freudig in meine Küche. Warum sollte ich mir diesen Spaß entgehen lassen?


Das war der Schwarzmarkt VII


Und dann ist da noch der Spaß mit anderen Selberkochern im Marieneck. Zweimal im im Jahr treffen sich alle, die etwas (für) Selbstgemachtes übrig haben, beim Schwarzmarkt. Der Lebensmitteltausch oder Foodswap in Köln-Ehrenfeld ist eine zuverlässige Gelegenheit, um Neues zu entdecken. Ungefähr zwei Stunden lang probiert man leckere Sachen und plaudert mit netten Leuten. Wenn man Glück hat, dann läuft es so wie gestern, beim Schwarzmarkt VII, und Manfred Schellin zieht ununterbrochen vor aller Augen köstliches Brot aus dem Ofen. Torsten hat dazu frisch Butter aus Frankreich besorgt, ungefähr 30 verschiedene Produkte werden getauscht. Jörg Utecht, Organisator des Schwarzmarktes, hat sie gezählt. - Ein Fertigprodukt, das Chezuli-Bernd als Mango-Ingwer-Konzentrat bezeichnet und eigentlich für Getränke empfiehlt, wird mir noch viel Freude bereiten, das schmecke ich sofort.

Heute Mittag dann das für Montag übliche Kommando in Richtung Kühlschrank: Alles muss raus! Und so gibt es leckeren Romanasalat aus Frechen mit Honig-Hähnchenbrust, gebratenen Kreuzkümmelmöhrchen, Tomaten und Erbsenkraut von der Fensterbank, - mit einem leckeren Dressing aus Ingwer-Mango-Konzentrat.

Meine Kamellebud auf dem Schwarzmarkt | pastasciutta.de


Mein kleiner Beitrag zum Schwarzmarkt bestand übrigens aus zwei Sorten Fudge. Es gibt dafür zahllose Rezepte im Netz. Im Wesentlichen bestehen sie immer aus Zucker, Sahne und Butter. Eine meiner Sorten enthielt Honig und weiße Schokolade, die andere Vanille und Schokolade.




Montag, 6. März 2017

Mich hat es erwischt

Tödlicher Männerschnupfen - Jetzt auch bei Frauen!




War ja klar, dass das irgendwann kommen musste. Und mich überrascht es kaum, dass ich weltweit zu den ersten Opfern gehöre. - Ja, Schnupfen ist für mich eine schlimme Krankheit! Nase verstopft, Halsweh, Husten, - kurzum, ich habe mit dem Leben abgeschlossen. Und ich habe jetzt ganz ehrlich das Gefühl, noch nie hat ein Mensch so schlimmen Schnupfen gehabt, wie ich jetzt gerade. Dazu kommt eine Sache, die ich kaum niederzuschreiben wage, die ich bisher immer für einen Mythos hielt: Appetitlosigkeit. Kann man sich wirklich nicht ausdenken so etwas.



Seit Freitag ruhte dieses schöne Stück Dicke Rippe in meinem Kühlschrank. Doch, statt wie üblich mit großem Genuss zu überlegen, was daraus werden soll und welche Beilagen dazu passen würden, ließ mich die Rippe völlig kalt. Nur hin und wieder flackerte der Gedanke daran auf. Ach, ja, das Fleisch im Kühlschrank, das müsste ich auch noch machen. Mit letzter Kraft schob ich es gestern in den Ofen. 160° C verschafften mir drei Stunden Zeit für ein Schläfchen. Danach duftete die Wohnung phantastisch, aber auf Beilagen hatte ich immer noch keine Lust. Nicht einmal Fritten hätten mich reizen können. Als mir das bewusst wurde, schwand auch die letzte Hoffnung über meinen Zustand.

Damit anderen Menschen dieses schreckliche Schicksal erspart bleibt, hier noch ein Programmhinweis. Geht zwar um Grippe, aber die Ansteckungswege sind ja ähnlich. - Immer schön die Patschehändchen mit Seife waschen!

Grippe - wie wir uns schützen können, beim WDR

Grippe - wie wir uns schützen können, bei Youtube

Freitag, 3. März 2017

Ersatzprodukte

Quick Lunch: Schellfisch mit Mangold, Kartoffeln und Buttersauce

Schellfisch, in Würzsud gar gezogen | pastasciutta

Nach Karneval kommt es mir immer so vor, als läge plötzlich eine Vorahnung von Frühling in der Luft. Überall schießen Krokusse, Schneeglöckchen und Osterhasen aus der Kulisse. Der Appetit auf Grünzeug steigert sich in ungeahnte Dimensionen. Seit Tagen schon war mir nach frischem Spinat und ich stellte mir was Schönes mit Skrei und Kartoffeln auf dem Teller vor. Doch, Pech gehabt, Spinat gab es nur in Plastik eingeschweißt (was ich nicht so mag) und als "übriggeblieben, etwas schlaff, aber noch in Ordnung" (was ich noch viel weniger mag). Notgedrungen wich ich auf Stielmangold aus, aber der erwies sich im Nachhinein als ebenfalls schon etwas zu betagt. Macht wirklich keinen Spaß, für ein ramponiertes Bund Mangold und eine Knolle Knoblauch über 5 € zu zahlen und dann fast die Hälfte wegzuschmeißen.

Am Fischstand griff ich dann spontan zum Schellfisch, der irgendwie mein Liebling ist. Nichts gegen Skrei, aber so rein nach dem Lust- und Launeprinzip ist mir der Verwandte des arktischen Kabeljaus manchmal lieber.

Schellfisch mit Kartoffeln, Mangold und Buttersauce | pastasciutta

Zurück vom Wochenmarkt, schickte ich sogleich die Kartoffeln in den Whirlpool und setzte Wasser für Schellfisch und Mangold auf. Der Fisch bekam ein Bad aus Salzwasser mit Pfefferkörnen, Knoblauch und Zitrone. Der Mangold wurde nach dem kurzen Abkochen und Abgießen mit Knoblauch in Olivenöl und Butter gedünstet. Dazu gab es eine kleine Sauce aus Wein, Zitrone, Eigelb und Butter, abgeschmeckt mit etwas Monschauer Senf.

Wie ein Foodfoto entsteht | pastasciutta

Die appetitlichen Fotos kommen nur mit einem gut eingespielten Team zustande. Während ich hinter der Kamera stehe, passt der Kater auf das Essen auf. Überraschenderweise schmeckt ihm Schellfisch ziemlich gut.

Samstag, 11. Februar 2017

Superflausch für den Hotdog

Tangzhong - Auch nur mit Wasser und Mehl gekocht

Hotdog mit klassischen Zutaten | pastasciutta.de

Schon mal von Thangzong gehört? - Nee, ich auch nicht. Als ich vor einiger Zeit das Wort irgendwo aufschnappte, musste ich erst mal googeln. Es handelt sich nicht etwa um eine Stadt in China (oder vielleicht doch, wer weiß?), sondern um eine clevere Brotzutat, die auch als Mehlkochstück oder Water roux bezeichnet wird.  Die Suchmaschine führte zu dem Rezept für ein angeblich superfluffiges Milchbrot. Mit diesem Rezept haute es bei mir irgendwie nicht so ganz hin. Der Teig wurde viel zu flüssig. Aber am Ergebnis ließ sich durchaus absehen, wie es gemeint war. Mit ein bisschen mehr Mehl im Teig musste das die ideale Basis für Burger Buns oder Hotdog Brötchen sein, dachte ich mir.

Was muss das perfekte Sandwichbrötchen können? 

Schon klar, dass die Geschmäcker unterschiedlich sind. Auch bei Backwaren die nur als Träger für Fleisch und Wurst herhalten, haben Menschen unterschiedliche Vorstellungen. Doch bei mir ist die Sache eindeutig. Für mich muss das perfekte Bun vor allem fluffig sein. Eine ganz zarte, weiche Krume und kaum vorhandene Kruste soll sich um gebratenes Fleisch oder Wurst legen, ohne zusätzlichen Druck auf Sauce und Salat auszuüben und ohne alles an den Seiten rauszuquetschen, sobald man reinbeißt. - So jedenfalls stelle ich mir das vor. Und deswegen bin ich froh, dass diese flauschig weichen Brötchen nun in meinem Tiefkühler wohnen. Beim Aufbacken mache ich es wie immer: Die Brötchen kommen in den kalten Ofen. Dann schalte ich auf 170°C und nehme die Brötchen nach 12 Minuten raus. Richtig weich werden sie, wenn man sie unter einem Tuch oder in einem Gefrierbeutel abkühlen lässt. Wobei die Sache mit dem Gefrierbeutel fast schon ein bisschen zu viel des Guten ist.

Und was kommt drauf?

Weil der Teig so leicht und flauschig ist, eignet er sich gleichermaßen für Hotdog-Brötchen wie für Burger-Buns. Für Hotdogs stelle ich rechtzeitig alle Zutaten bereit: Wiener Würstchen, Dänischen Gurkensalat, Röstzwiebeln, rohe Zwiebelwürfelchen, eifreie Mayo, Ketchup und Senf. Oder meinetwegen Hummer oder Eiersalat oder was gerade Spaß macht.

Hotdog-Brötchen vor dem Backen | pastasciutta


EDIT [2017-02-13, 09:09]: Barbara von der Spielwiese hat noch was Interessantes zum Tangzhong zu sagen. Daher hebe ich das mal von den Kommentaren hier hoch. Vielen Dank, liebe Barbara, da wär ich natürlich im Leben nicht drauf gekommen. 😗
Blogger Barbara Furthmüller hat gesagt...
Hast Du noch eins übrig? Ich hätte jetzt richtig Lust auf so ein flauschiges Brötchen!!!

Jetzt musste ich doch mal recherchieren... Also, vorneweg: Ich mag ja in Ostasien das Brot so überhaupt nicht! Die machen dort diese relativ süßen aber superflauschigen Brote ohne Konsistenz. Egal ob Du in Japan, China oder Thailand bist, überall ähnlich. In Vietnam und Kambodscha gibt's baguetteähnliches Brot, dank der französischen Kolonialzeit. Die Chinesen und Japaner haben während der kurzen deutschen Kolonialzeit zwar Bierbrauchen gelernt, aber nicht Brot nach meinem Geschmack machen... Man kann nicht alles haben.

汤种面包: Das sind vier chinesische Silben, die zusammengesetzt Sinn machen: 汤 tāng: Suppe, 种 zhǒng: Art/nach Art von, 面包 miànbāo: Brot, und das jetzt umgedreht: "Brot nach Art einer Suppe", also heiß und gekocht. Acht Jahre Sinologiestudium müssen doch zu was nütze sein. ;-)

Da ich jetzt schon eine Weile nicht mehr in Ostasien war, könnte ich mir sogar vorstellen, das mal zu essen. Ich kann ja am Folgetag ein Sauerteigbauernbrot vom Bäcker meines Vertrauens kaufen. :-)

Superfluffige Hotdog Buns

Zutaten:

für 10 Hotdog-Brötchen

Tangzhong:
25 g Mehl, Type 550
100 ml Wasser

Teig:
125 ml Milch
1 Pck. Trockenhefe
400 g Mehl, Type 550
50 g Zucker
1 TL Salz
1 großes Ei
30 g Butter

eventuell mehr Mehl zum Kneten
Zunächst das Tangzong zubereiten. Dazu Mehl und Wasser in einem kleinen Topf miteinander verrühren. Bei schwacher Hitze weiterrühren, bis ein dicker Brei entsteht. Den Brei beiseite stellen und abkühlen lassen.

Die übrigen Zutaten zusammenrühren und den abgekühlten Mehlbrei unterrühren. Kurz kneten, bis ein homogener Teig entsteht. Den Teig 45 Minuten an einem warmen Ort gehen lassen.

Den Teig in 10 gleichgroße Stücke teilen und die Stücke (eventuell mit ein bisschen Mehl) in die gewünschte Form bringen.
Ein Backblech mit Backpapier belegen und die Teiglinge darauf etwa 30-60 Minuten gehen lassen, bis sie ihr Volumen deutlich vergrößert haben.
Den Backofen auf 175°C vorheizen. Eine Schale mit heißem Wasser auf den Boden des Ofens stellen. Die Brötchen insgesamt 20-25 Minuten backen, wobei nach 10 Minuten das Wasser entfernt und der Dampf abgelassen werden kann. Die Brötchen unter einem Tuch abkühlen lassen. 

Dienstag, 7. Februar 2017

Prosit 2017.2.0!

Rumpsteak mit Kartoffelscheiben vom Blech



Der Januar war ein Totalausfall. Abgesehen von ein paar kurzen Momenten, fand dieser Monat für mich gar nicht statt. Deshalb sage ich mir selber heute Prosit Neujahr! und fange dieses frische Jahr noch mal ganz von vorne an. Was die restlichen elf Monate für mich bereithalten, kann ich nicht wissen. Da schwanke ich ein bisschen zwischen Nichtwissenwollen und Kannjanurbesserwerden.

Zuerst muss mal was Leckeres auf den Tisch. Vor ein paar Tagen zerlegten wir im Rahmen einer kleinen Familienfeier ein riesiges US-Roastbeef. Natürlich erschien uns die Menge zunächst irrsinnig groß. Es fielen die üblichen Floskeln, wie "was machen wir denn mit den Resten?" und "das kann man doch gar nicht so lange aufbewahren, wenn was übrig bleibt". Aber am Ende blieb nicht viel zum Aufbewahren, man kennt das ja. Drei zwei kleine Steaks schlummern noch in meinem Tiefkühler.



Für mein ganz persönliches Neujahrsfest ging das aufgetaute Steak in die Pfanne, schön heiß, damit das Fett aus dem Fleisch austritt und alles schön bräunt. Da meine Lebensmittel normalerweise nicht so eine weite Reise hinter sich haben, kamen die Kartoffeln wie üblich aus dem Nachbarort.



Die Kartoffeln werden geschält und gehobelt oder in dünne Scheiben geschnitten. In diesem Fall kam auch noch eine fein geschnittene Zwiebel dazu, obwohl die natürlich ein bisschen verbrennt, weil sie ein anderes Tempo als die Kartoffeln hat. Die Scheiben werden mit wenig Öl vermengt und dann auf einem Backblech mit einer Lage Backpapier ausgebreitet. Nicht würzen! Das Ganze geht in den kalten Ofen und wird dann auf 180°C geschaltet. Wenn es lecker aussieht, ist es fertig und kann gesalzen werden.

Als kleines Sößchen dazu gab es nur ein bisschen Olivenöl mit Zitrone, Petersilie und Knoblauch.


Mittwoch, 4. Januar 2017

Mittags im Museum

Pilgern zur heißen Suppe


Phở bò, Vietnamesische Suppe, im Café 1980, Köln


Spätestens wenn die Mittagszeit herannaht, werde ich mich nach dem gestrigen Tag zurück sehnen. Genau genommen geht es dabei um mein Mittagessen. Da es aktuell so schweinekalt geworden ist, möchte ich sagen, die vietnamesische Suppe sei bei diesem Wetter genau richtig. Aber im Grunde stimmt das so nicht. Phở bò schmeckt natürlich auch bei jedem anderen Wetter. Vor allem, wenn sie so ausgezeichnet zubereitet und liebevoll serviert wird, wie im 1980 in der Kölner Bobstraße. Oder wie sagt der Foodblogger so schön, "Phở geht einfach immer". 

Völkerkunde im Kulturquartier an der Cäcilienstraße


Die Kultur trieb mich in die große Stadt, denn ich wollte das Rautenstrauch-Joest-Museum besuchen. Das ethnologische Museum ist seit 2010 in dem imposanten Bau an der Cäcilienstraße beherbergt. Zuvor war das RJM, das im Kern auf den Sammlungen des Völkerkundlers Wilhelm Joest und des reisenden Bankierssohnes Max von Oppenheim basiert, am Ubierring beheimatet. Ohne den Gründerzeitbau in der Südstadt je betreten zu haben, begeistert mich der Neubau über alle Maßen. Sicherlich wäre es vor dem Umzug nicht möglich gewesen, einen solchen Eyecatcher wie den indonesischen Reisspeicher im Foyer unterzubringen. Die Atmosphäre des Gebäudes und das auffallend freundliche Personal (darf ruhig als Vergleich mit anderen Kölner Museen herhalten!) nehmen mich sehr für das Rautenstrauch-Joest-Museum ein.


Pilgern - Sehnsucht nach Glück?


Noch bis zum 9. April 2017 ist im Kulturquartier zu sehen, wie Menschen in aller Welt pilgern. Gerade aus Kölner Sicht ist das ein erbaulicher Perspektivwechsel. Die Sonderausstellung beginnt daher mit dem heimischen Dom, der ja auch von Alters her ein Pilgerziel ist, und dem wohlbekannten Santiago de Compostela, um von dort aus die Reise in alle Welt anzutreten. Ausgesprochen gut gefällt mir dabei die Weltkarte mit berühmten Pilgerorten, zu denen auch Graceland in Memphis und Wacken in Schleswig-Holstein gehören. Leider scheint der Hinweis, dass Pilgern nicht nur zum Programm der Religionen gehört, nur augenzwinkernd gemeint zu sein, denn er wird in der Ausstellung nicht weiter aufgegriffen. Falls mir da etwas entgangen sein sollte, bitte ich freundlich um einen Hinweis.

Zum Ticket für die Sonderausstellung erhält man an der Kasse einen kostenlosen Audioguide, ein kleines Gerät, das Kommentare zu den Ausstellungsgegenständen abgibt. Es lässt sich problemlos auch auf Englisch einstellen. Wir befanden das Gerät aber als überflüssig, da alles sehr gut beschriftet ist, sowohl auf Englisch als auch Deutsch. Andere Leute nutzten die Audiobeschreibung aber sehr eifrig.


Vietnamesischer Kaffee im Café 1980, Köln

Wohin zum Essen nahe dem Rautenstrauch-Joest-Museum?


Kommen wir also zurück zu meinem ganz persönlichen Pilgerziel, dem Lunch. Mittags brauche ich unbedingt was zu Essen, und das sollte hochwertig und möglichst nicht zu schwer sein. Rund um den Neumarkt bietet die Stadt wirklich zahllose Möglichkeiten. Selbst in der Südostecke, in der sich das Kulturquartier befindet, wären mehrere Anlaufstellen zu nennen. Drei davon habe ich ausgewählt:

1. Erste Wahl für mich persönlich: 1980 in der Bobstraße. Hier gibt es hochwertige vietnamesische Imbissküche. Ausnahmslos alles, was ich dort bisher gegessen habe, war hervorragend, frisch und lecker. Der Service ist immer herzlich und freundlich.

2. Ein Kölner Klassiker, den ich schon lange nicht mehr besucht habe: Die Puszta Hütte serviert ausschließlich ein einziges Gericht, ein scharfes, aber sehr aromatisches Gulasch. Das ist seit 1948 so, und nach allem, was man so hört, hat sich in letzter Zeit daran nichts geändert.

3. Viele Kölner Museen beherbergen eine Cafeteria, die ganz ungemein von der schönen Atmosphäre der jeweiligen Gebäude profitiert. Das ist im RJM nicht anders. Aus diesem Grund empfehle ich auch das Bistro Kolbs, das sich im Foyer des Hauses befindet, ohne das Angebot getestet zu haben.

Dienstag, 3. Januar 2017

Frohes Neues Jahr!

Glück, Gesundheit & Moneten


Offenbar habe ich eine kleine Auszeit gebraucht. Über den Jahreswechsel war hier vollkommene Ruhe angesagt, weil einfach die Luft raus war. Nicht, dass dieser Foodblog mich so angestrengt hätte. Eher das Gegenteil ist der Fall, weil ich pastasciutta immer als Vergnügen betrachte. Aber selbst dafür reichte die Energie nicht mehr. Ein paar schöne Themen sind daher in der Pipeline stecken geblieben. Diese werde ich nun entgegen meiner Überzeugung, dass altes Zeug im Blog keinen Spaß macht, in nächster Zeit doch noch posten. Falls ich einen interessanten Aspekt daran finde.

Ansonsten gilt, was jedes Jahr gilt: mehr Bloggen! Immerhin sind meine Beiträge im vergangenen Jahr nicht weniger geworden. Daher besteht noch Hoffnung, dass 2017 endlich die Trendwende bringt.

Wenn ich auf meine ewigen Vorsätze vom vergangenen Jahr zurückblicke, dann treibt mir das Problem mit dem Tiefkühl-Bingo schon wieder die Tränen ins Gesicht. Natürlich habe ich auch 2016 so gut wie gar nichts beschriftet und einige Frostbomben sehen so verdächtig aus, dass ich mich nicht traue, sie aufzutauen.

Lasst uns dieses 2017 einfach mal gemeinsam angehen. Vielleicht wird ja was Gutes daraus.
Allen Lesern wünsche ich ein vollkommen glückliches 2017!

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